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DJK3 Wie 3 Tipps von Ellen Esch deine Lightshow verbessern. Interview mit einer Fachkraft für Veranstaltungstechnik | Folge 3 DJKanzel Podcast

Ellen Esch im DJKanzel Podast Interview

Ellen Esch im DJKanzel Podast Interview

Wie kannst du als DJ mehr aus der Lightshow herausholen, wenn du das Licht nur nebenbei machst? Dafür gibt Ellen Esch als Veranstaltungstechnikerin super Tipps und erklärt die Psychologie einer Lightshow.

Die Light-Show fristet in vielen Clubs und Discotheken ein Schattendasein, das meist auf Automatik läuft.

Vor den Gigs muss ich mich selbstständig mit den Grundfunktionen der DMX-Controller oder der Software vertraut machen, weil ich die Lichtsteuerung nur selten erklärt bekomme.

Erst bei größeren Events unterstützen mich Lichttechniker. Die beste Light-Jane, die ich kenne, habe ich in die DJKanzel eingeladen.

Ellen Esch Event Engineering

Unbedingt wollte ich auch eine weibliche Perspektive in den Podcast bringen. Deshalb habe ich meine Lieblings-Licht-Macherin Ellen Esch gefragt, ob sie in der DJKanzel etwas zur Psychologie der Lichtshow erzählen kann.

Wenn Ellen die Audience-Blinder anwirft, dann kannst du sicher sein, dass dein Publikum ausflippen wird.

  • Ellen plant zurzeit eine neue Webseite. Den Link werde ich ergänzen, sobald die Seite live ist.
  • Ellen Esch bei Facebook, Facebook.com/ellen.esch.7
  • Lichttechniker ist wie ein Musiker, er steht nur vor der Bühne
Ellen Esch Event Engineering

Ellen Esch Event Engineering

Wacken

Im Podcast beschreibe ich Wacken als Rock-Festival mit Woodstock-Feeling, weil es auf einem Acker stattfindet.

Beim weltweit größten Metal-Festival inszeniert Ellen das richtige Licht für die Band Dunkelschön.

Agentur Dunkelschön: Extratours

Tipps zur Lightshow für mich als Licht-Laie

  • Flächenleuchten, die Wash-Lights laufen im halbierten Takt und geben den Tänzern einen Grundrhythmus auf der Tanzfläche vor.
  • Mit Spots, das unterstreichen was deine Gäste auf der Tanzfläche mit den Händen machen.

Nie wieder Diskussionen am Ende einer Party

Der wichtigste Tipp betrifft auch das Ende jeder Party. In den letzten 15 Minuten achte ich ab sofort auf mehr Licht, um den Sonnenaufgang nachzumachen.

Nach den Erfahrungen von Ellen gibt es dann am Schluss eben keine Diskussion mit dem DJ, ob er noch ein Lied spielen kann.

Sanft auf Putzlicht wechseln, um den Schock des Gegenübers zu vermeiden: “Oh Gott, wenn habe ich da aufgerissen”. Mehr zum Thema Licht als Anmachhilfe habe ich auf meiner DJ-Webseite Rewerb.com geschrieben.

Weitere Tipps

Betrachtungsperspektive: Soll die Lightshow von außen gut aussehen oder auf der Tanzfläche?

Richtung der Beleuchtung erzeugt unterschiedliche Wirkungen

  • Beleuchtung von hinten
  • Beleuchtung von einer Seite, Rembrandt-Beleuchtung
  • Beleuchtung von unten, Situation am Lagerfeuer

Nebel, um leeren Raum zu kaschieren

Farb-Psychologie

Zwischendurch etwas ruhiger werden, um sich wieder steigern zu können.
Diesen und mehr Tipps zum musikalischen Spannungsbogen einer Partynacht beschreibe ich auch in meinem E-Book “Super Stimmung aufbauen” das du weiter unten auf dieser Seite kostenlos bekommen kannst.

Licht nebenbei machen
Bitte einen einen Freund, DJ-Kollegen, Tänzer das Licht zu machen. Viele junge DJ-Gruppen lösen das so, dass immer einer am Lichtpult bleibt.

Audience-Blinder für Mitsing-Passagen
Animiere das Publikum bei den typischen Lied-Passagen wie zum Beispiel “Hölle, Hölle, Hölle, Hölle” von “Wolfgang Petry – Wahnsinn” mit dem gleißend hellen Licht der Audience-Blinder zum Mitsingen. Dadurch sehen sich die Gäste auf der Tanzfläche auch gegenseitig und haben noch mehr Spaß.

Fachkraft für Veranstaltungstechnik

Ellen lernte im E-Werk in Erlangen den Beruf der Fachkraft für Veranstaltungstechnik.

3 Arten von Nebelmaschinen

Nebelmaschinen erzeugen feine Tröpfchen in der Luft, die das Licht der Lightshow reflektieren und so den Lichtstrahl sichtbar machen.

  • Nebelmaschine, Fluid ist günstig
  • Hazer, Fluid ist teurer
  • Dunstmaschine, feiner als Hazer, bis ca. 3.000 Euro

Für Sonderfälle gibt es auch noch Bodennebelmaschinen oder Fazer. Einsteiger-Nebelmaschinen für den Hobbykeller werden bereits ab 35 Euro angeboten.

Atomic 3000

Helles und schnelles Profi-Stroboskop der Firma Martin.

Wie schafft Ellen den Einstieg in Norwegen?

Aus Ellens Neuanfang in Norwegen habe ich die Quintessenz mitgenommen, dass manchmal ganz klassische Bewerbungen wichtig sind. Besonders wenn du dich nicht auf die Mundpropaganda und Empfehlung verlassen kannst.

Als wir uns nach einer Partynacht vor dem E-Werk unterhielten, fiel mir auf, dass Ellen als Veranstaltungstechnikerin mit den gleichen Sachen kämpft, wie jeder DJ: Man muss immer neue Kunden akquirieren.

Hast du eine Frage an Ellen?

Ellen meinte nach dem Interview noch, dass sie gerne Fragen beantwortet. Schreibe deine Frage zum Beispiel als Kommentar auf dieser Seite.

Oder spreche deine Nachricht auf den virtuellen Anrufbeantworter.

Das funktioniert per Speakpipe, direkt aus deinem Browser heraus.

Oder du schickst mir deine Frage per E-Mail an Thorsten@DJKanzel.de.

Updates per E-Mail

Trage hier deine E-Mail-Adresse ein und klicke auf “Bin dabei”:

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Außerdem schicke dir mein kurzes E-Book “Super Stimmung aufbauen, ohne dein Publikum zu kennen”. Wenn du dich beim Auflegen schon mal gefragt hast: Wie soll ich nur die Stimmung aufbauen? Dann zeige ich dir in dem E-Book, wie ich die Stimmung in jedem Club – und bei jeder Party zum Kochen bringe. Das kannst du mir gerne nachmachen.

Bewertung bei iTunes

Jetzt habe ich noch eine ganz große Bitte an dich. Wenn du den DJKanzel Podcast über iTunes hörst. Bewerte diesen Podcast bitte mit so vielen Sternen wie du möchtest. Ich freue mich auf deine Rezension und deine Bewertung.

DJKanzel iTunes Rezension

DJKanzel iTunes Rezension

Das hilft diesem Podcast ganz extrem, um im iTunes-Verzeichnis sichtbarer und bekannter zu werden. So finden dann noch mehr DJ Kollegen, wie du, diesen Podcast.

Vielen, vielen Dank fürs Einschalten.

In diesem Sinne, wünsche ich dir fantastische Gigs. Und noch viel besseres Licht.

Ciao,
Thorsten

Diese Folge mitgeschrieben

Thorsten: [00:00:00] DJ Kanzel Podcast. Willkommen in der DJ Kanzel, dem Podcast für Discjockeys. Mein Name ist Thorsten Weber. Mit diesem Podcast möchte ich dir helfen deine Talente als DJ auf neue Höhen zu katapultieren. Dabei ist es vollkommen egal, ob du erst morgen deinen ersten Gig hast, ein fortgeschrittener DJ bist oder schon seit mehr als 20 Jahren hinter den Decks stehst, so wie ich. Wir alle können jeden Tag etwas Neues dazulernen, um als DJ einen Tick besser zu werden. Heute geht es in der DJ-Kanzel um die Lightshow. Das ist ein ganz wesentliches Thema, ich halte ich zumindest dafür. Jeder Club jede Diskothek sollte auch eine vernünftige Lightshow bieten. Und die wird leider viel zu oft vernachlässigt, sodass du als DJ nur einen Controller hast. Oder du vielleicht ein paar DMX Programme steuern kannst. Aber mehr nicht. Heute habe ich als Interviewgast zum Thema Lightshow meine Lieblings-Lichttechnikerin eingeladen. Mit ihr habe ich schon viele Partys zusammen im E-Werk in Erlangen gespielt und der Saal ist riesengroß. Da passen ungefähr 600 bis 800 Leute rein. Und da brauchst du schon eine ganz schön ordentliche Lightshow, um so wirkliche Akzente zu setzen. Ellen hat es immer fantastisch gemacht. Deswegen habe ich auch sie genau heute im Podcast eingeladen, weil ich ihre Live-Show immer fantastisch fand. Sie ist einfach meine Lieblingstechnikerin. Im Interview sprechen wir außerdem über ihren Neuanfang in Norwegen, wo sie vor ein paar Monaten hingezogen ist.

Thorsten: [00:01:39] Als DJ habe ich drei Tipps aus diesem Interview rausgezogen die sind echt Goldwert sind und die ich bei jeder zukünftigen Party, wo ich selber Licht machen muss, umsetzen werde. Auf der einen Seite, um mit den Leuten nie wieder Diskussionen zu haben, ob ich nochmal ein Lied ganz am Schluss spielen soll. Wenn die Party eigentlich schon vorbei ist und das Putzlicht angeht. Und auf der anderen Seite, wie du mit Licht so die Stimmung unterstützen kannst, dass die Leute mitsingen und die ganze Tanzfläche, so gefühlt als Tänzer, in den Groove zu bringen. Alle Internetadressen, alle Tipps, so als Übersicht, als Stichpunkte zusammengeschrieben, die findest du auch auf der Webseite zu dieser Folge unter DJKanzel.de/ellenesch. Die Internetadresse nochmal DJKanzel.de/ellenesch. Und jetzt, ohne viel weiter das Gelaber von mir, das Interview mit Ellen.

Thorsten: [00:02:31] Heute zu Gast in der Kanzel ist eine Light-Jane. Oder ein bisschen breiter gefasst eine gelernte Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Unbedingt wollte ich auch eine weibliche Perspektive In diesem Podcast bringen. Deswegen habe ich heute meine Lieblings Licht Macherinnen gefragt, ob sie mit einer DJ-Kanzel etwas zur Psychologie von einer Lichtshow sagen kann. Denn wenn Ellen die Audience-Blinder im E-Werk damals angeworfen hat, dann konntest du sicher sein, dass beim Publikum ausflippen wird. Herzlich willkommen in der DJ-Kanzel.

Ellen: [00:03:14] Hi.

Thorsten: [00:03:14] Vielen Dank, dass du diesen Spaß mitmachen.

Ellen: [00:03:15] Ja gerne.

Als Lichttechnikerin bei Wacken

Thorsten: [00:03:17] Du bist ja mittlerweile in Norwegen. Darauf will ich später noch kommen und was ich jetzt bei dir auf der Facebook-Seite neulich gesehen hab ist: Du hast bei Wacken die Lightshow gemacht. Für alle die nicht wissen was Wacken ist. Das ist ein riesengroßes Rock Open-Air. Das ist praktisch so auf dem Acker, mit ein bisschen Woodstock Feeling.

Ellen: [00:03:38] Ja.

Thorsten: [00:03:38] Stimmt‘s nicht. Also so kenne es ich.

Ellen: [00:03:40] Ja, man kann es so schon nennen. Es ist eben das weltweit größte Metal-Festival. Tatsächlich weltweit anerkannt das größte Metal-Festival

Thorsten: [00:03:48] Also nicht mehr nur Europa.

Ellen: [00:03:49] Ne, Ne. Ist tatsächlich weltweit, also zumindest nach meinem aktuellen Stand.

Thorsten: [00:03:53] Wie kommst du dazu?

Ellen: [00:03:54] Das hat sich zufällig ergeben. Und ich kann jetzt auch nicht sagen, dass ich eine der größten und wichtigsten Lichttechnikerinnen da gewesen wäre. Eigentlich ein kleines Licht. Aber es ist natürlich eine große Ehre, wenn man am Ende der Ausbildung auf Wacken als Lichttechnikerin steht. Weil die Lichttechnik selbst ja eher das „Operaten“ ist und nicht wirklich in der Ausbildung beinhaltet ist. Also, es ist viel Eigenengagement, um da überhaupt zu landen. Und dann natürlich auf so einem großen Festival, umso besser umso größer. In meinem Fall war das ein Stück Glück. Und ich bin während der Ausbildung schon lange mit einer Band getourt. Also hat mich diese Band natürlich mitgenommen nach Wacken, als sie da eingeladen wurden.

Thorsten: [00:04:39] Und die haben da auch nicht ganz zufällig gespielt.

Ellen: [00:04:42] Naja, das ist tatsächlich so, dass eine Band, wenn sie auf einem Festival spielt, eingeladen wird von dem Festival. Entweder machte sie die Akquise selber, weil es eine kleinere Band ist. Oder sie hat eine Agentur. In unserem Fall ist das eine Agentur gewesen. Müsste sich jetzt überlegen, wie die genau heißt.

Thorsten: [00:05:01] Das können wir nachträglich ergänzen.

Ellen: [00:05:06] Ja, und diese Agentur hat dann einen Preis ausgehandelt mit Wacken selbst, als Wacken die Band angefragt hat. Wenn die Band dann offiziell angemeldet wird, also sozusagen auf der Webseite offiziell als Billing-Band vermerkt wird. Dann steht das soweit fest, dass die Band eben auch den Technikern Bescheid sagt. Und sagt: Okay blockt euch den Termin. Es ist jetzt bestätigt, vertraglich vereinbart, dass wir da spielen und bezahlt werden.

Thorsten: [00:05:37] OK, und dann ist automatisch klar, dass die Band die eigenen Techniker mitbringt, oder?

Ellen: [00:05:46] Es ist nicht immer klar. Umso früher tagsüber eine Band spielt, umso weniger bringt sie einen eigenen Lichttechniker mit, weil sie natürlich weniger Geld verdient. Und bei Tageslicht ist es umso schwieriger und weniger notwendig Licht zu machen.

Thorsten: [00:06:00] Das wäre meine nächste Frage gewesen. Wenn es tagsüber ist, da brauchst du ja schon irgendwie ganz andere Strahler.

Ellen: [00:06:07] Ja genau. Man muss auf jeden Fall mehr Leistung haben, in den Lampen selbst, um gegen das Tageslicht anstinken zu können. Dann ist es natürlich unmöglich einen Blackout zu machen.
Man muss anders Licht machen, um noch mehr Emotionen rüberzubringen. Man kann aber viel machen. Es ist so ein Zusammenspiel aus Hazer und Nebel. Den man so verwendet, damit die Lichtstrahlen überhaupt in der Luft sichtbar sind. Das wird jeder DJ kennen.
Wenn du keine Reflektionen in der Luft hast, dann siehst du halt den Punkt auf der Erde.
Wenn du die Reflektionen hast, also einen Hazer oder eine Nebelmaschine, dann sieht man die Lichtstrahlen in der Luft.
Wie man das so von den Fotos von den Bühnen kennt. Damit kann ich dann arbeiten.

Thorsten: [00:06:55] Hazer kenne ich so, also für den, der es noch nie gehört, als Dunst-Nebelmaschine. Ist das richtig?

Ellen: [00:07:00] Ja, genau.

Thorsten: [00:07:02] Einfach nicht so stark wie Nebel, sondern ein bisschen weniger als Nebel.

3 Arten von Nebelmaschinen

Ellen: [00:07:06] Es gibt drei Sorten. Es gibt einmal die Nebelmaschine die wirklich so eine Wolke macht, wie man das in der Disco kennt.

Thorsten: [00:07:12] So kenne ich’s.

Ellen: [00:07:15] Es gibt Hazer, der meistens auf Bühnen angetroffen. Und dann gibt es nochmal eine andere Sorte von Hazer, nenne ich das jetzt einmal. Das ist eine Dunstmaschine, die das noch feiner macht, sodass man gar keinen Strahl mehr in der Luft sieht. Sondern wirklich nur die Lichtstrahlen, wenn man keine Wolken in der Luft mehr erkennen kann. Und genauso ist auch die Preiskategorie. Deswegen werden Nebelmaschinen in der Disco verwendet, weil das Fluid einfach günstiger ist. Interfluid ist entsprechend teurer. Und diese Dunstmaschine ist nochmal eine gute Ecke teurer. So eine Dunstmaschine kostet dann bis zu 3.000 Euro.

Thorsten: [00:07:53] Schöner Anfang. Dafür, dass du so eine Quietsch-Nebelmaschine irgendwie für 35 Euro kriegst. Die natürlich nicht Disco-tauglich ist, aber immerhin kommt Nebel raus.

Ellen: [00:08:01] Ja, genau. Und so etwas in der Richtung habe ich auch manchmal mit dabei, wenn die Band verhältnismäßig klein ist. Und wenn es natürlich Freiluft ist, weil man viele Nebeln muss. Weil eben Freiluft auch ein Wind da ist, der das Ganze wieder weg transportiert. Dann nimmt man gerne mal eine Nebelmaschine her. Das hat den Nachteil, dass immer mal wieder Bandmitgliedern nicht zu sehen sind, weil es einfach zu dicht auf der Bühne wird. Weil man so stoßartig nebeln muss. Und bei so kleinen Maschinen merkt man auch die Qualität daran. Die müssen umso länger eine Pause zwischendrin haben, um wieder aufheizen zu können.

Thorsten: [00:08:34] Okay

Ellen: [00:08:34] Das ist dann so der Qualitätsunterschied zwischen professionellem Material und dem was man auch bei Thomann für 35 Euro kaufen kann.

Thorsten: [00:08:40] Ja, aber immerhin gibt’s das.

Ellen: [00:08:42] Ja, genau.

Lichtshow für Event vorbereiten

Thorsten: [00:08:45] Hast du hast irgendwie einen Ablauf, wie du dich auf so ein riesen Event vorbereitest?

Ellen: [00:08:50] Das ist wahnsinnig unterschiedlich. Also, es ist so, dass die Band tatsächlich den Lichttechniker selber dabeihat.

Thorsten: [00:08:57] Das war jetzt für den Fall. Also wo ihr bei Wacken aufgetreten seid.

Ellen: [00:09:01] Nein, das ist grundsätzlich so. Also die Bands haben ihren Lichttechniker aus ganz eigenen Gründen selber dabei und bezahlen den auch selber. Deswegen wird halt auch, umso größer die Show, umso bekannter die Band, umso teurer wird die Band natürlich. Auch weil sie einfach mehr Ausgaben hat.
Das hat einen ganz einfachen Grund. Wenn eine Band nämlich Techniker dabeihat, dann kann sie sich sicher sein, dass der Lichttechniker die Musik kennt. Und das ist extrem maßgeblich. Ein Lichttechniker ist eigentlich wie ein Musiker, nur, dass er eben nicht auf der Bühne steht, sondern vor der Bühne genauso live mit drückt. Das ist natürlich unterschiedlich, wenn die Band total getimed ist und immer denselben Rhythmus hat. Oder exakt diese Länge für ein Lied hat, dann kann man sozusagen eine Timecode-Show haben. Also nur auf einen Knopf drücken und dann passiert genau das, was man vorprogrammiert hat. Das ist die eine Arbeitsweise.
Und dann gibt es Bands die sehr flexibel sind. Die einfach mal länger brauchen oder mal spontan ein Solo einbauen oder eine Ansage machen. Und dann muss man in der Lage sein auch einfach flexibel zu reagieren. Umso mehr man die Band kennt, umso besser man die Songs kennt, kennt man natürlich, wie ein Musiker auch, die Einsätze. Und drückt dann im wahrsten Sinne des Wortes auf den Knopf im richtigen Moment.

Thorsten: [00:10:17] Um einfach den Showeffekt zu steigern.

Ellen: [00:10:21] Genau. Wenn ich die Musik kenne und an der Stelle kommt ein riesen Knall, weil der Drummer auf die Bassdrum haut oder auf eine Standtom. Und danach kommt eine Pause. Was den Effekt von der Musik größer macht. Dann ist es umso wichtiger, dass der Lichttechniker die Musik kennt, weil er dann zum Beispiel in dem Moment auf die Blinder hauen kann. Und eine Pause danach machen kann, sodass dieser Effekt wahnsinnig groß wird.
Es macht wirklich im wahrsten Sinne des Wortes mit Licht und Ton: Bumm. Und danach ist die Pause wirklich schwarz und alle stehen da total schockiert und gespannt was jetzt als nächstes passiert. Umso dramatischer wäre es natürlich auch, wenn die Musik wieder einsetzt das Licht aber nicht. Deswegen haben Bands dann den eigenen Lichttechniker dabei, damit der, wie ein Musiker, mithalten kann.

Thorsten: [00:11:12] Das führt mich zu meiner nächsten Frage. Wir haben ja schon oft zusammengespielt: Ich habe aufgelegt, du hast Licht gemacht. Wie machst du das dann, wenn Musik von der Konserve kommt? Wenn wir uns nicht kennen. Wenn du mit einem DJ zusammenarbeitest, den du vielleicht fünf Minuten vorher das erste Mal kennengelernt hast.

Ellen: [00:11:33] Ganz, ganz unterschiedlich. Es ist auf jeden Fall bei Bands die ich nicht kenne, als auch bei DJs die ich nicht kenne, ist es dann eine Frage von ganz viel Erfahrung. Und von der Art und Weise wie ich meine Konsole programmiere. Ich kann natürlich keine Timecode-Show fahren. Die wäre natürlich entsprechend aufwändiger und geiler. Das genau im richtigen Moment ein wahnsinnig toller Effekt kommt. Der eben eine tolle Form macht. Dann gehen die Lichtstrahlen wieder zusammen auf einen Punkt, um den nächsten Effekt zu starten. Das geht dann einfach nicht, weil ich nicht weiß, was als nächstes kommt.

Thorsten: [00:12:11] Das ist mir als Licht-Laie nie aufgefallen. Ich habe immer nur gedacht: Wow, jetzt steigert sich das Lied hoch. Ich weiß, dass es ungefähr 16 Takte sind, wo sich ein Break hochschaukelt. Und du hattest halt immer die Audience-Blinder, ein Strobe. Das kam für mich immer im Takt und auch auf den Punkt. So: sssssst – Bumm.

Ellen: [00:12:37] Das ist wirklich eine Frage von Erfahrung. Das ist nicht möglich so dass ich jetzt das ich weißt du spielt den Song und ich hab den Song irgendwo abgespeichert. Dann müsste ich für jeden Song ein bis zwei Stunden mindestens verbringen, wenn ich dafür ein Design mache. Sogar länger, um das zu Hause vorzubereiten, vor zu programmieren. Und dann hätte ich, genauso wie du viele CDs dabeihast, hätte ich unglaublich viel in der Konsole einprogrammiert. Weiß aber gar nicht, dass du den Song spielst und muss erst einmal sekundenlang nach dem Song in meiner Bibliothek suchen, wenn du anfängst den zu spielen. Das ist einfach nicht möglich.
Deswegen habe ich dann eine andere Programmierung. Wirklich so, dass ich wie ein Keyboard vor mir die Tasten programmiert habe. Ich weiß, auf diesen Buttons sind die Blinder. Oder auf diesem Fader ist die Helligkeit. Meine Programmierung. Das ist dann wirklich so, dass jeder Licht-Jay eine eigene Programmierung entwickelt hat. Mit der Erfahrung und festgestellt hat: Okay in dem Moment möchte ich jedes Mal das machen. Und das geht nicht, weil ich zwei, drei Knöpfe hintereinander drücken muss. Also zum Beispiel Lampe auswählen die Farbe und dann 100 Prozent Helligkeit. Das schaffe ich nicht in der Zeit, um auf den Punkt einen Knall loszulassen. Sondern ich programmiere mir das anders. Und umso mehr Erfahrung dabei reinkommt, umso mehr ist man in der Lage wie einen Musiker einfach die Tasten zu drücken.

Thorsten: [00:14:00] Das heißt, du improvisierst? Das was du gemeint hast, du als Lightjane bist auch ein Stück weit Musikerin und reagierst und improvisiert dazu.

Ellen: [00:14:10] Ja genau. Gerade die Disco-Musik ist ja voraussehbar. Man weiß, das gerade bei so etwas wie Techno: Umpf Tschik Tüt Tüt. Das ist so typisch, dass man das irgendwann raus hört. Genauso ist das auch mit Bands.
Man hat ein Viervierteltakt im Kopf. Und man kann einigermaßen einschätzen, jetzt kommt der Refrain wieder. Ich kann das teilweise vorbereiten oder eben dann einfach in den Tasten Rhythmus mit dem ich selbst im Keyboard hin und her drücke.
Odd-Even nennt sich das zum Beispiel. Die inneren und äußeren Gruppen oder die erste Gruppe und die zweite Gruppe von den Lampen. Mit-Flashen nennt sich das. Dieses Aufblitzen sozusagen. Das kann ich mir so programmieren, dass ich auf den Tasten wie auf einem Keyboard ein Viervierteltakt halte und selber mitdrücke, im wahrsten Sinne des Wortes. Und wenn du das Tempo aufs Doppelte steigerst, kann ich einfach mitdrücken.
Oder wie du schon erwähnt hast, mit den Strobes zum Beispiel. Das habe ich mir persönlich so gelegt, dass ich zwei Fader für die Atomics benutze. Und zwar einen Button, wo ich selbst flashen kann, wie ich das gerade erklärt habe. Auf einem Speed-Fader habe ich die Geschwindigkeit, wie schnell das Strobe blitzt. Und die Helligkeit liegt auf dem zweiten Fader. Sodass ich da tatsächlich selbst drücken kann und die Helligkeit steigern kann. Und wenn ich nicht mehr mithalten kann, mit dem Drücken von der Geschwindigkeit, dann schalte ich einen Dauer-Run ein. Und kann den Fader für die Geschwindigkeit weiter hochdrehen.

Thorsten: [00:15:48] Ich weiß warum ich DJ geworden bin.